Von der Nachkriegsbaracke zur modernen Kindertagesstätte: 80 Jahre Kindergarten St. Marien
14.05.2026 Neumarkt.
Mit einem Fest im Park des Klosters St. Josef in Neumarkt feierte der Kindergarten St. Marien sein 80jähriges Bestehen. Zusammen mit den Kindern hatten die Erzieherinnen ein buntes Programm zusammengestellt, u.a. mit einem Tanz unter dem speziell dafür aufgestellten Maibaum und einem auf den Kindergarten zugeschnittenen bayerischen Rap, den die Mädchen und Jungen sehr zur Freude der anwesenden Eltern und Gäste vortrugen. Darunter war auch der Neumarkter Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, der dem ganzen Team für seine engagierte Arbeit dankte. Er wisse um die Tradition des Kindergartens und freue sich, dass viele Generationen von Neumarkterinnen und Neumarktern damit die Erinnerung an eine schöne Kindergartenzeit verbinden.
Der Geschäftsführer der TGE gTrägergesellschaft für die Einrichtungen der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) und gleichzeitig Geschäftsführer vom Haus St. Marien, Dr. Michael Hitzschke, ließ die Geschichte der Einrichtung Revue passieren. Er hob hervor, dass seit der Gründung des Kindergartens kurz nach Kriegsende bis heute das unbedingte Vertrauen in den Wert jedes einzelnen Kindes im Mittelpunkt stehe. Werte wie Nächstenliebe, Verantwortung, Respekt und Hoffnung seien dabei keine abstrakten Begriffe, sondern prägten den Alltag im Kindergarten: im Umgang miteinander, im Blick auf die Schöpfung und im Üben von Gemeinschaft.
Sowohl Dr. Hitzschke wie auch Oberbürgermeister Ochsenkühn überraschten die Kindergartenleitung Leonie Felger mit einer Spende als Geburtstagsgeschenk.
Der Kindergarten St. Marien war der erste Kindergarten in Neumarkt nach dem Krieg. Seine Geschichte beginnt am 1. Dezember 1946. Viele Familien hatten in dem vom Krieg verschonten Kloster St. Josef der Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) vorübergehend Unterkunft und Verpflegung gefunden. In einer Baracke auf dem Klostergelände richteten die Niederbronner Schwestern einen Notkindergarten ein, da der einzige städtische Kindergarten Neumarkts im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Am ersten Tag kamen bereits 100 Kinder zur Baracke, am zweiten Tag waren es bereits 120 Kinder. Unterstützung bekam die erste Leiterin, Sr. Bernharda, durch Novizinnen, die während ihrer klösterlichen Ausbildung einen praktischen Einsatz im Kindergarten leisteten.
Die Gründerinnen handelten aus einer klaren christlichen Überzeugung heraus: Jedes Kind ist einzigartig und verdient Schutz, Zuwendung und eine Begleitung, die Kopf, Herz und Hand gleichermaßen anspricht. Spielmaterial war in den ersten Jahren kaum vorhanden, dafür spielte die Nähe zur Natur eine umso größere Rolle. Der angrenzende Wald wurde zum Spiel- und Lernraum, einfache Materialien wie Tannenzapfen, Zeitungspapier oder Holzreste regten Fantasie und Gemeinschaftssinn an. Früh wurde der Kindergarten zu einem Ort, an dem die Kinder in den Nachkriegsjahren Sicherheit und Struktur fanden.
Ein Pressebericht aus dem Jahr 1949 würdigte den Kindergarten als vorbildliche Einrichtung der Kinderpflege. Mit dem wachsenden Bedarf folgten wichtige strukturelle Schritte: 1951/52 zog der Kindergarten vom Provisorium in das neu errichtete Haus St. Marien, 1952 fand er dort im sogenannten Kurhaus dauerhaft seinen Platz.
Die folgenden Jahrzehnte waren von stetiger Weiterentwicklung geprägt. 1966/67 wurde die Einrichtung durch einen Anbau um einen großen Gruppenraum erweitert, 1974/75 der Spielplatz gemeinsam mit Eltern und Stadt modernisiert. Ein bedeutender Meilenstein war die staatliche Anerkennung im Jahr 1978, die die Einrichtung von Ganztagsgruppen ermöglichte und neue Formen der Betreuung eröffnete.
Mit dem Wandel der Zeit veränderte sich auch die Leitungsstruktur: Nach vielen Jahren in der Verantwortung von Ordensschwestern wurde der Kindergarten schrittweise von weltlichen Leitungen und pädagogischem Fachpersonal weitergeführt. Die christliche Wertebasis blieb dabei stets erhalten und wurde in zeitgemäße pädagogische Konzepte übersetzt.
Ein umfassender Schritt in Richtung Zukunft erfolgte 1988/89 mit der grundlegenden Sanierung, Umgestaltung und Erweiterung des Kindergartens. Moderne Gruppen-, Bewegungs- und Funktionsräume schufen neue Möglichkeiten für Bildung, Spiel und Gemeinschaft.
2016 erweiterte sich der Kindergarten zu einer modernen Kindertagesstätte mit Kinderkrippe. Der Kindergarten erhielt einen zusätzlichen Gruppen- und Schlafraum, so dass nun drei Gruppen Platz fanden. Dazu kamen die neuen Plätze in der Kinderkrippe, so dass rund 140 Kinder unter dem Dach der Haus St. Marien gGmbH betreut werden können.
Trotz aller baulichen und organisatorischen Veränderungen ist der innere Auftrag gleich geblieben: Kinder in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen Werte mitzugeben, die über den Kindergarten hinauswirken. Offenheit gegenüber allen Menschen, unabhängig von Herkunft oder Konfession, sowie die Verbindung von christlicher Orientierung, moderner Pädagogik und die naturnahe Umgebung des Klosterparks prägen die Einrichtung bis heute.
Neben dem Kindergarten St. Marien ist die Haus St. Marien gGmbH noch Träger der Kita Burg Wichtelstein in Neumarkt und zweier Kindergärten und einer Kindertagesstätte im oberbayerischen Bad Endorf.
Mehr Informationen dazu gibt es unter www.st-marien-neumarkt.de
Die Leiterin des Kindergartens St. Marien, Leonie Felger, freut sich mit ihrem Team und dem Elternbeirat über die Spende der Trägergesellschaft TGE, die Geschäftsführer Dr. Michael Hitzschke (rechts) mitgebracht hatte. Auch Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn überraschte das Team mit einer Spende der Stadt Neumarkt.





Fotos: TGE gTrägergesellschaft mbH für die Einrichtungen der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern), Provinz Deutschland
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