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Ortsumfahrung für Berg? Kfz-Verkehr und Entlastung neu denken!

19.04.2024 Berg.

Ein weiterer Leserbrief aus der Gemeinde Berg

Seit ca. 20 Jahren gibt es in der Gemeinde Berg eine mehr oder weniger intensive Diskussion zum Bau einer Ortsumfahrung. Die Aufforderung an den damaligen Gemeinderat, ein umfangreiches Verkehrskonzept zu erstellen, das Rad - und Fußwege miteinbezieht, das sowohl den Quellverkehr - der Verkehr der von und nach Berg erfolgt - als auch den Durchgangsverkehr berücksichtigt, wurde nicht umgesetzt oder kam den Gemeindeverantwortlichen nie in den Sinn.

Verkehrsgutachten nur für den Bau einer Schnell-Straße

Hier das Verkehrsgutachten das für die Planungen der Umfahrung Berg maßgeblich ist: Weil es wurde der Durchgangsverkehr für die Umgehung-Straße ermittelt.

Link zum Verkehrsgutachten

Es wurde erst nach vielen Jahren der Zunahme des Kfz-Verkehrs in 2015 eine Verkehrszählung durchgeführt, bei der bis zu 12.300 Fahrzeuge pro Tag ermittelt wurden in Berg, aber auch ca. 11.000 Kfz/Tag zwischen Neumarkt und Berg auf der St2240. Auf der Strecke zwischen Oberölsbach und Berg wurden in 2015 ca. 9.000 Kfz/Tag gezählt. Ein Unterschied zwischen Kurzstreckenverkehr (bis 5 km), Quell– und echtem Durchgangsverkehr wurde nicht gemacht bei der Kfz-Zählung. Durch einfache Verkehrsbefragung wurde Start-Ziel der Kfz ermittelt und ein Durchgangsverkehr von ca. 4.000 Kfz/Tag für den Ort Berg errechnet. Es wurde aber nicht drauf geachtet wie oft die gleichen Kfz am Tag zwischen Oberölsbach und Neumarkt hin- und her fahren. Der Kfz-Verkehr der die Autobahn zwischen Neumarkt und Oberölsbach meidet, bekommt mit der Ortsumfahrung Berg eine 3,5 km lange Schnellstraße verglichen mit dem 2,5 km langen Teilstück über die B299 und Autobahnzubringer Neumarkt-Loderbach (wenn man die A3 fährt). Dieser schnelle und schwere Kfz-Verkehr auf der St2240 belastet alle Anwohner im Schwarzachtal von Loderbach bis Oberölsbach.

Unsere Alternativen: Verkehrspolitische und verkehrsrechtliche Maßnahmen

Den sog. Autobahnausweichverkehr könnten wir aber durch verkehrspolitische und verkehrsrechtliche Maßnahmen auf die Autobahn A3 zum Teil verlagern oder auch komplett durch ein striktes LKW Durchfahrverbot (> 7,5 t). Es ist möglich eine Verkehrsberuhigung durch geeignete Baumaßnahmen von Loderbach bis Oberölsbach zu erreichen, auch durch Geschwindigkeitsbeschränkungen. Ferner ist es möglich einen Lärmschutz für alle Anwohner an der St2240 und A3 zu erreichen durch einen konzertierten Plan, den Lärmaktionsplan. Die Gemeindeverantwortlichen können also effektive alternative Maßnahmen zum Lärm- und Verkehrsschutz mit Hilfe des staatl. Straßenbauamtes Regensburg und dem Verkehrsministerium im Freistaat Bayern verfolgen.

Lärm muss man berechnen um Lärm-Immissionsschutz-Gesetz anwenden zu können – nicht einfach beim Kfz-Zählen stehen bleiben!

Vor ca. 6 Jahren wurde der Schwerlastverkehr über 12 Tonnen aus dem Ort per Durchfahrtsverbot verbannt. Voraussetzung waren Lärmberechnungen für die Häuserfassaden der Anwohner von Loderbach bis Oberölsbach. Normalerweise macht eine pflichtbewusste Gemeinde mit Hilfe des Lärmaktionsplanes die Lärmberechnungen turnus-mäßig alle 5 Jahre für die Anwohner an der A3 und der St2240. Bei uns war es ein Glücksfall, dass das Straßenbauamt Regensburg aufgrund von Bürgerbeschwerden diese Lärm-Berechnung in 2018 mit Hilfe der Verkehrsdaten aus 2015 gemacht hat, weil die Gemeindeverantwortlichen kein Interesse hatten am Lärmaktionsplan – der kostet nämlich Geld und Gehirnschmalz. Wenn sich die Gemeindeverantwortlichen mehr dahinterklemmen würde anstatt nur an die Ortsumfahrung zu klammern, dann wäre noch mehr an Lärm- und Verkehrs-Schutz für die Menschen an St2240 und A3 von Loderbach bis Gnadenberg möglich. Das Straßenbauamt hat jedoch in 2018 nur seine Pflicht getan und deshalb nur die minimalste Beschränkung ausgesprochen damit die Lärmgrenzwerte grade so nicht eingehalten werden. Wir können aber mehr erreichen, wenn die Gemeindeverantwortlichen endlich mal mehr machen als nur die Ortsumfahrung immer als alternativlos herbei zu beten. Dieser (zufällige) erste Schritt der damaligen Gemeindepolitik hat sich bewährt, da nun die übergroßen Lastkraftwagen über die Autobahn ihr Ziel erreichen müssen. Mehr intelligente Politik kann und muss folgen für eine gerechte Lösung für alle Menschen in der Gemeinde!

Wir haben genug Straßen im Schwarzachtal – wir brauchen nur eine intelligente Fahrweise, Verkehrsmittel und Verteilung der schweren und lauten Kfz

In Bayern gibt es vermutlich kein zweites Beispiel, dass man eine Umgehungsstraße braucht wegen Lärmschutz, obwohl neben einem Ort wie Berg schon eine Autobahn in unmittelbarer Nähe verläuft - und sogar mit zwei Anschlussstellen in nur 9 km Entfernung. Scheinbar haben unsere Gemeindeverantwortlichen noch nie daran gedacht ernsthafte verkehrspolitische und verkehrsrechtliche Maßnahmen für Lärm- und Verkehrs-Schutz zu verfolgen und das schon seit 20 Jahren. Trotz Alternativen in unserem Rechtsstaat…wird an einer Ortsumgehungstraße von den Gemeindepolitikern mantraartig festgehalten, und das obwohl sich in den letzten 20 Jahren die Voraussetzungen und das Bewusstsein aber vor allem unsere digitalen Möglichkeiten gründlich geändert haben.

Der Bau dieser Umgehungsstraße wird mehr als 40 Millionen Euro verschlingen. Viel Geld aber wenig Lösung, weil die anderen Ortsteile weder Entlastung noch Lärmschutz erhalten. Wieviel kostet ein funktionierender Öffentlicher-Personen-Nahverkehr, Lärmschutzmaßnahmen, oder gar Geschwindigkeitsbeschränkungen?

Die Vergangenheit hat mehrfach bewiesen, dass mit mehr Straßen auch mehr Verkehr erzeugt wird. Erst wenn man dem Autoverkehr weniger Infrastruktur bietet, den Fahrradverkehr innerorts fördert und alternative Konzepte mit einem öffentlichen Nahverkehr auf den Tisch bringt, kann man Akzeptanz von der Bevölkerung erwarten. Klar der Schutz der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer gelingt am besten durch angepasste Geschwindigkeit der Kfz innerorts. Die Verkehrszählung von 2015 auf der Bürgermeister Herr Peter Bergler so sehr herumreitet, stellt die Grundlage dar für Geschwindigkeitsbeschränkungen für die Berger Ortsdurchfahrt. Man muss das Gutachten nur mal genau nachlesen und den Lärm berechnen!

Bitte für eine gerechte Lösung (Lärm- und Verkehrsschutz) für Berg und das ganze Schwarzachtal stimmen statt durch Ortsumfahrung für mehr Kfz-Verkehr und mehr Lärm im Schwarzachtal zu sorgen!

Am 12.Mai können die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde klug entscheiden.

Stefan Blomeier & Roland Schmidt

 

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