Lebendige Innenstädte brauchen klare Strategien und Mut zur Veränderung
13.10.2026 – Regensburg
IHK-Werkstattgespräch Stadtentwicklung zeigt Wege zu lebendigen Ortsmitten
Innenstädte und Ortszentren müssen sich weiterentwickeln, damit sie auch künftig attraktive Standorte für Wirtschaft, Wohnen und Begegnung bleiben. Dafür braucht es klare Entwicklungsstrategien, neue Nutzungskonzepte und eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Unternehmen und Immobilieneigentümern. Das war die zentrale Botschaft des Werkstattgesprächs Stadtentwicklung, zu dem die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim und die Regierung der Oberpfalz eingeladen hatten. Insgesamt 70 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Wirtschaft und Stadtmarketing diskutierten über Wege zu lebendigen Ortsmitten.
IHK-Vizepräsident Michael Matt betonte, dass Kommunen den Strukturwandel aktiv gestalten müssten: „Wenn Bürgermeisterinnen und Bürgermeister eine Vision haben und Kommunen einen Entwicklungsplan, können sie auch die großen Herausforderungen der Innenstadtentwicklung bewältigen." Der Handel bleibe ein wichtiger Frequenzbringer. Künftig müssten Innenstädte jedoch stärker unterschiedliche Funktionen vereinen. Neben Einzelhandel und Gastronomie gewännen Wohnen, Dienstleistungen, Kultur und Begegnungsmöglichkeiten an Bedeutung. Leerstehende Immobilien böten zugleich Chancen für neue Nutzungen.
Regierungspräsident Walter Jonas unterstrich, dass sich Leerstände nur im Zusammenspiel von Kommunen, Eigentümern und Unternehmen wirksam bekämpfen ließen. Neben einer hohen Aufenthaltsqualität seien auch realistische Mietvorstellungen wichtig. Fielen wichtige Frequenzbringer weg, könne dies weitere Geschäftsaufgaben nach sich ziehen und einen sich verstärkenden Abwärtstrend auslösen.
Eigenes Profil stärken und Immobilien neu denken
Wie sich Innenstädte zukunftsfähig entwickeln lassen, zeigten zwei Impulsvorträge. Marco Schmid verdeutlichte, wie wichtig eine unverwechselbare Identität für die Attraktivität einer Kommune ist. Statt mit austauschbaren Standortversprechen zu werben, sollten Städte und Gemeinden ihre besonderen Stärken, ihre Geschichte und ihre Eigenheiten herausarbeiten und im Alltag erlebbar machen. Eine klare Identität gebe auch Orientierung für die weitere Stadtentwicklung.
Helmut Ramsauer warb dafür, leerstehende Immobilien nicht nur als Gebäude, sondern als Ausgangspunkte für neue Entwicklungen zu betrachten. Entscheidend sei, welche Wirkung eine Immobilie für ihr Umfeld entfalten könne. Durch die Zusammenarbeit von Eigentümern, Unternehmen, Kommunen und weiteren Akteuren könnten neue Nutzungen entstehen, die über das einzelne Gebäude hinaus zur Belebung eines Quartiers beitrügen. Anhand konkreter Projekte zeigte Ramsauer, wie Immobilien zu neuen Anziehungspunkten werden können.
Praxisbeispiele liefern konkrete Lösungsansätze
In drei parallelen Fachforen stellten Kommunen aus der Oberpfalz konkrete Ansätze zur Belebung ihrer Innenstädte und Ortszentren vor. Furth im Wald zeigte, wie Veranstaltungen, kulturelle Angebote und die Landesgartenschau 2025 zusätzliche Besucher anziehen und die Innenstadt stärken können. Beratzhausen und Bad Kötzting präsentierten unterschiedliche Wege im Umgang mit Leerständen: von der gezielten Aufwertung und Neunutzung bestehender Gebäude bis hin zu kreativen Zwischennutzungen und der aktiven Vermittlung leerstehender Ladenflächen. Bei den Beispielen aus Berngau und Waldsassen wurde deutlich, wie die Städtebauförderung langfristige Entwicklungsprozesse unterstützt. Durch die Sanierung und Umnutzung von Gebäuden sowie die Neugestaltung öffentlicher Räume entstehen neue Treffpunkte und Angebote für die Bevölkerung.
Die Praxisbeispiele machten deutlich, dass erfolgreiche Innenstadtentwicklung nicht von einzelnen Maßnahmen abhängt, sondern langfristige Konzepte, engagierte Akteure und die Bereitschaft erfordert, neue Wege zu gehen.
Stadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe
In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Kommunen und Verwaltung über die Voraussetzungen für zukunftsfähige Innenstädte. Einigkeit bestand darin, dass lebendige Zentren neben Handel und Gastronomie vielfältige weitere Angebote sowie attraktive, saubere und sichere öffentliche Räume benötigen. Zugleich brauche es langfristige, aber anpassungsfähige Entwicklungsstrategien, weniger bürokratische Hürden und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das Werkstattgespräch machte deutlich: Ein Patentrezept für lebendige Innenstädte gibt es nicht. Erfolgreiche Stadtentwicklung braucht ein klares Profil, Mut zu neuen Nutzungen und vor allem die Bereitschaft, gemeinsam an der Zukunft der Ortsmitten zu arbeiten.