Große Jugendbefragung zeigt: Jugendliche fühlen sich ihrer Heimat verbunden und wollen mitgestalten
07.10.2026 – Neumarkt / Landkreis
Wie erleben Jugendliche ihre Heimat? Was machen sie in ihrer Freizeit, was fehlt ihnen und wie sehen sie ihre Zukunft im Landkreis? Antworten auf diese Fragen liefert die große Jugendbefragung des Landkreises Neumarkt i.d.OPf. Insgesamt 1.235 Jugendliche im Alter von 12 bis über 19 Jahren haben sich beteiligt.
Das Ergebnis zeichnet insgesamt ein positives Bild: Die Mehrheit der Jugendlichen fühlt sich ihrer Heimat verbunden, blickt optimistisch in die Zukunft und ist der Meinung, dass die eigene Gemeinde grundsätzlich ausreichend Angebote für junge Menschen bereithält. Gleichzeitig formulieren die Jugendlichen sehr konkrete Wünsche – insbesondere nach attraktiven Treffpunkten, Veranstaltungen, Freizeitmöglichkeiten und mehr Möglichkeiten zur Mitsprache.
Gute Ausgangslage – und klare Hinweise für die Weiterentwicklung
62,8 % der Jugendlichen sind der Meinung, dass es in ihrer Gemeinde ausreichend Angebote für junge Menschen gibt. 57,7 % sagen, dass ihre Gemeinde zumindest teilweise genug für Jugendliche tut. Auch die Jugendtreffs sind einer großen Mehrheit bekannt: 69,5 % wissen, dass es in ihrer Kommune einen solchen Treff gibt.
Die Befragung zeigt damit eine gute Grundlage für die Jugendarbeit im Landkreis. Gleichzeitig wird deutlich, dass Angebote immer wieder an den Interessen und Lebenswelten junger Menschen ausgerichtet werden müssen. Wer Jugend erreichen möchte, muss wissen, was Jugendliche beschäftigt, wo sie ihre Zeit verbringen und welche Angebote sie tatsächlich nutzen möchten.
Besonders deutlich wird dies bei den Freizeitwünschen. Plätze im Freien zum Treffen mit Freunden sind für 90,8 % der Jugendlichen wichtig, Sportangebote in Vereinen für 85,0 %. Gleichzeitig gibt es Entwicklungspotenzial bei Angeboten außerhalb klassischer Vereinsstrukturen. Genannt werden insbesondere Indoor-Sport, Veranstaltungen wie Open-Air-Kino oder Festivals sowie Cafés und andere Treffpunkte.
Jugendliche wollen sich einbringen
Auch beim Thema Mitbestimmung zeigt die Befragung Potenzial. Rund ein Viertel der Jugendlichen, die Jugendsprechstunden oder Jugendversammlungen bislang nicht kennen, hätte grundsätzlich Interesse, sich an solchen Formaten zu beteiligen.
„Die Ergebnisse zeigen uns, dass Jugendliche nicht nur Angebote nutzen wollen. Sie möchten ihre Heimat auch mitgestalten und ihre Perspektiven einbringen“, so Luisa Hofmann von der Kommunalen Jugendarbeit des Landkreises. „Das ist eine wichtige Chance für die Gemeinden: Wer Jugendliche beteiligt, erfährt aus erster Hand, was vor Ort gebraucht wird.“
Damit Beteiligung gelingt, braucht es passende und niedrigschwellige Möglichkeiten, von Befragungen und offenen Gesprächsformaten bis hin zu Jugendforen oder konkreten Beteiligungsprojekten.
Soziale Medien gehören zum Alltag
Ein weiterer Schwerpunkt der Befragung betrifft die Mediennutzung. Rund 60 % der Jugendlichen verbringen täglich mindestens zwei Stunden in sozialen Medien, bei etwa jedem Zehnten sind es sogar mehr als sechs Stunden. Auch Künstliche Intelligenz ist im Alltag vieler Jugendlicher angekommen und wird regelmäßig oder gelegentlich für schulische Zwecke und zur Informationssuche genutzt.
Beim Gaming zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während knapp die Hälfte der Mädchen angibt, gar nicht zu spielen, trifft dies nur auf etwa jeden neunten Jungen zu.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Jugendarbeit junge Menschen auch dort erreichen muss, wo sie sich aufhalten, sowohl im persönlichen Kontakt als auch in digitalen Räumen.
Wissen, Orientierung und Sicherheit sind gefragt
Auch bei jugendrelevanten Themen formulieren die Jugendlichen einen deutlichen Informationsbedarf. Besonders häufig wünschen sie sich mehr Aufklärung über Drogen (51,2 % „ja, unbedingt“), mentale Gesundheit (49,5 %) und Gewalt (45,4 %).
Gleichzeitig nehmen Jugendliche Risiken in ihrem Umfeld durchaus wahr. Besonders häufig nennen sie Rauchen und Vapen (51,5 % „häufig“) sowie den Druck, gute Noten zu haben (40,3 %). Die Ergebnisse unterstreichen damit die Bedeutung von Angeboten, die Jugendliche informieren, Orientierung geben und sie in ihrer persönlichen Entwicklung stärken.
Viele Jugendliche können sich ihre Zukunft im Landkreis vorstellen
Besonders positiv ist der Blick auf die eigene Zukunft: 46,4 % der Befragten möchten später im Landkreis wohnen bleiben. Nur etwa ein Viertel kann sich dies eher nicht vorstellen, während der übrige Teil noch unentschlossen ist.
Für die Entscheidung, wo junge Menschen später leben möchten, spielen vor allem soziale Beziehungen und gute Wohnmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Freundschaften, Familie und das Gefühl, sich am eigenen Wohnort zuhause zu fühlen, sind damit zentrale Faktoren für die Bindung an die Region.
Jugendbefragung als Grundlage für die weitere Arbeit
Die Jugendbefragung liefert damit nicht nur Zahlen, sondern vor allem konkrete Hinweise für die zukünftige Jugendarbeit im Landkreis und in den Gemeinden. Sie zeigt, was bereits gut funktioniert, macht sichtbar, wo Jugendliche Veränderungsbedarf sehen, und gibt Impulse für die Weiterentwicklung von Angeboten, Treffpunkten und Beteiligungsmöglichkeiten.
Denn eine jugendgerechte Gemeinde entsteht nicht allein durch Angebote für junge Menschen. Sie entsteht dort, wo Jugendliche ihre Heimat als lebenswert erleben, gehört werden und die Möglichkeit haben, selbst etwas zu bewegen. Die Ergebnisse der Jugendbefragung sind deshalb vor allem eines: eine Einladung, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam an der Zukunft ihrer Gemeinden zu arbeiten.