Geschehnisse um den brutalen Durchsetzungsversuch der WAA bei Wackersdorf als Spielfilm verarbeitet
14.10.2026 – Berching
„Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, so zitierte Gertrud Heßlinger am vergangenen Sonntag den ehemaligen Schwandorfer Landrat Hans Schuierer, der sich, nach anfänglicher Begeisterung, ab 1982 „seinem Gewissen und dem Wohle der Bürgerinnen und Bürger verpflichtet“, gegen die Pläne der bayerischen Staatsregierung zum Bau einer Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstäbe bei Wackersdorf stellte. Unzählige Vereinigungen, Bürgerinitiativen, politische Gruppierungen aus ganz Deutschland und Österreich, und vor allem viele Einheimische und Pfarrer unterstützten in den 1980er Jahren den Protest, der 1986 in der „Pfingstschlacht von Wackersdorf“ gipfelte. Anlässlich des 40. Jahrestages im Juni 2026 zeigte die Ortsgruppe Berching des Bundes Naturschutz (BN) gemeinsam mit der Kreisgruppe Neumarkt am vergangenen Sonntag zweimal den authentischen Spielfilm „Wackersdorf“ und lud drei Zeitzeugen von damals zum Gespräch mit dem Publikum ins Berli-Kino ein. Neben der ehemaligen 2. Neumarkter Bürgermeisterin (aktuell Kreistags-Mitglied der SPD) Gertrud Heßlinger, waren der ehemalige Polizeibeamte Johann Wein und der Energieexperte im BUND und Maschinenbau-Ingenieur Franz Waldmann anwesend.
Bei allen rüttelten die bewegenden Filmszenen Erinnerungen wach, die auch den Moderator und langjährigen Aktivisten Bernhard Schinner (BN) so aufwühlten, dass er sich „nicht sicher“ war, anschließend „noch reden zu können“. Eindrücklich erinnerte sich Johann Wein, der in Zivil vor Ort gewesen war, an eine Situation in der er „vor seinen eigenen Kollegen“ Angst bekommen hatte. Überzogene Polizeigewalt führten zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. In der Folge trat Johann Wein damals in die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizeibeamter ein und appellierte auf der Bühne eindrücklich auf die Einhaltung von Recht und Gesetz. „Völlig freiwillig“ hatte Franz Waldmann als 16-Jähriger seinen Vater Ludwig Waldmann, einer „Gallionsfigur im Widerstand“, zu den Protesten begleitet und sich im Zuge dessen zu einem entschiedenen Atomkraft-Gegner entwickelte. Als stellvertretender Sprecher des Bundesarbeitskreises Atom- und Strahlenschutz im BUND engagiert er sich u. a. gegen die „PowerPoint-Reaktoren“. Dies ist eine Bezeichnung für Reaktoren, „die nach Expertenaussagen technisch kaum realisierbar sind, aber von politisch Verantwortlichen, wie dem bayerischen Ministerpräsidenten, propagiert werden“. Franz Waldmann zog Parallelen zu den gezielten Fehlinformationen im Fall „Wackersdorf“ zu „Fake-News“ in der heutigen energiepolitischen Diskussion.
Der BN bedankte sich sehr herzlich bei allen Teilnehmenden und hofft, dass die bedeutenden Geschehnisse von damals nicht in Vergessenheit geraten und andere Vereine oder Schulen vergleichbare Veranstaltungen durchführen. Alle beteiligten Personen sind für Rückfragen offen, um damit einen Beitrag zur Bewahrung der demokratischen Werte zu leisten. Interessierten sei auch die einschlägige Ausstellung im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg empfohlen mit unzähligen Audio-Dateien, welche über die Homepage des Museums abrufbar sind. Ermöglicht wurde die spendenbasierte Veranstaltung durch BN-Vorstandsmitglied Alfons Greiner. der den Film beschaffte.

Foto: Alfred Hillebrand: Zeitzeugen + Veranstalter: Franz Waldmann, Johann wein, Gertrud Heßlinger, Alfons Greiner, Bernhard Schinner, Nathalie Stopfer

Foto: Alfons Greiner: Zeitzeugen