Betrug mit Kryptowährungen: Warnung vor falschen Support-Anrufen und Phishing-Seiten
25.09.2026 – Oberpfalz
Mit angeblichen Sicherheitsproblemen bei digitalen Geldbörsen versuchen Betrüger, an Kryptowährungen zu gelangen. Die Täter geben sich dabei am Telefon, per E-Mail oder über Messenger-Dienste als Mitarbeiter von Handelsplattformen, Anbietern von digitalen Geldbörsen oder technischen Supportdiensten aus. Ihr Ziel ist es, an Zugangsdaten, private Schlüssel oder Wiederherstellungsphrasen (Seed Phrase) zu gelangen, um über das digitale Guthaben verfügen zugreifen zu können. Die Polizei warnt vor dieser Betrugsmasche und gibt Tipps, wie Sie sich schützen können.
Den Opfern wird häufig ein angebliches Sicherheitsproblem geschildert: Die digitale Geldbörse (Wallet) sei gefährdet, eine Transaktion müsse überprüft werden oder ein Konto drohe gesperrt zu werden. Unter diesem Vorwand setzen sie die Betroffenen unter Zeitdruck und fordern sie dazu auf, eine bestimmte Internetseite aufzurufen oder sensible Informationen weiterzugeben.
Dabei kann es sich um Benutzernamen, Passwörter, private Schlüssel oder die sogenannte Wiederherstellungsphrase (Seed Phrase) ihres Wallets handeln. Diese Daten ermöglichen Unbefugten unter Umständen den vollständigen Zugriff auf eine digitale Geldbörse. Anschließend werden Kryptowährungen auf andere digitale Geldbörsen übertragen. Solche Transaktionen lassen sich nicht rückgängig machen.
Aktueller Fall aus Pressath
Wie schnell die Masche zum Erfolg führen kann, zeigt ein aktueller Fall aus Pressath im Landkreis Neustadt an der Waldnaab.
Eine 39-jährige Frau meldete sich am Montag, dem 21. September 2026, bei der Polizeiinspektion Kemnath. Nach bisherigen Erkenntnissen erhielt sie am Nachmittag einen Anruf von einer unbekannten Person. Diese gab sich als Mitarbeiter einer Kryptowährungsplattform aus und behauptete, es gebe ein Problem mit ihrer digitalen Geldbörse. Im Verlauf des Gesprächs wurde die Frau an einen weiteren angeblichen Support-Mitarbeiter ihres Walletanbieters weitergeleitet. Dieser forderte sie auf, ihre Wiederherstellungsphrase, bestehend aus zwölf Wörtern, mitzuteilen. Nachdem die Frau den Anweisungen gefolgt war, wurden Kryptowährungen im Wert eines niedrigen vierstelligen Eurobetrags auf ein unbekanntes Wallet übertragen. Die Polizeiinspektion Kemnath hat die Ermittlungen wegen Betrugs aufgenommen.
So schützen Sie sich
• Geben Sie niemals Zugangsdaten, Passwörter, private Schlüssel, PINs, Sicherheitscodes oder Wiederherstellungsphrasen für ein Wallet weiter.
• Nutzen Sie für die Verwahrung ihrer Kryptowährungen eine Hardware Wallet. Eine Hardware Wallet ist wie ein kleiner Tresor für den Schlüssel zu ihren Kryptowährungen.
• Lagern Sie ihre Hardware Wallet an einem sicheren Ort und getrennt von ihrer entweder handschriftlich oder anderweitig dokumentierten Wiederherstellungsphrase und geben Sie diese niemals weiter.
• Seriöse Plattformen, Wallet-Anbieter oder Support-Mitarbeitende fordern sie nicht am Telefon auf, solche Daten preiszugeben.
• Öffnen Sie keine Internetseiten über Links, die Ihnen am Telefon, per E-Mail, SMS oder Messenger genannt oder zugesandt werden. Rufen Sie stattdessen die bekannte Internetadresse des Anbieters selbst auf oder nutzen Sie ausschließlich dessen offizielle App.
• Beenden Sie unerwartete Anrufe, wenn Sie unter Druck gesetzt werden oder angeblich sofort handeln müssen. Kontaktieren Sie den betreffenden Anbieter anschließend selbst über einen offiziell veröffentlichten Kontaktweg.
• Lassen Sie keine unbekannten Personen per Fernwartungssoftware auf Ihr Smartphone, Tablet oder Ihren Computer zugreifen.
• Überprüfen Sie bei vermeintlichen Sicherheitswarnungen sorgfältig die Internetadresse. Schon geringfügig abweichende Schreibweisen können auf gefälschte Seiten hinweisen.
• Investieren oder übertragen Sie keine Kryptowährungen auf Anweisung unbekannter Personen.
• Eine Transaktion jeglicher Kryptowährung kann nicht rückgängig gemacht werden. Es gibt keinen Support. Der Anwender alleine signiert die Transaktion nach sorgfältiger Prüfung und gibt diese einmalig und unumkehrbar frei.
• Sprechen Sie bei Unsicherheit mit einer Vertrauensperson oder holen Sie unabhängigen Rat ein, bevor Sie Daten eingeben oder Transaktionen durchführen.
Die Polizei rät: Behandeln Sie Wiederherstellungsphrasen und private Schlüssel eines Wallets wie den Schlüssel zu einem Tresor. Wer diese Informationen kennt, kann uneingeschränkt über Ihr Guthaben verfügen.
Verhalten im Schadensfall
Wenn Sie bereits Daten auf einer verdächtigen Seite eingegeben oder Kryptowährungen auf Veranlassung unbekannter Personen übertragen haben, sollten Sie umgehend handeln:
• Erstatten Sie unverzüglich Anzeige bei der Polizei.
• Brechen Sie jeden weiteren Kontakt zu den mutmaßlichen Tätern ab.
• Sichern Sie Beweise, etwa Screenshots, Rufnummern, E-Mails, Chatverläufe, Internetadressen und Angaben zu den erfolgten Transaktionen.
• Ändern Sie Zugangsdaten und sichern Sie noch vorhandene Guthaben, soweit dies technisch möglich ist.
• Informieren Sie gegebenenfalls den tatsächlichen Anbieter über dessen offizielle Kontaktwege.
Die Polizei empfiehlt insbesondere, keine weiteren Zahlungen oder Übertragungen vorzunehmen und keine Fremdzugriffe auf eigene Geräte zuzulassen.